Eröffnung: 13. May 13, 2026, 17.00–21.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 14.–16. Mai 2026
Öffnungszeiten: Fri. & Sa. 14.00–18.00 Uhr
Dérive – Horizont Stadt
Kuratiert von Andreas Fogaraxcsi, Michael Klein und Paul Rajakovics.
dérive – Zeitschrift für Stadtforschung feiert ein Vierteljahrhundert urbaner Untersuchungen mit einer quer über die Stadt verteilten Ausstellung. Die Beschäftigung mit dem urbanen Raum, die dérive kennzeichnet, umfasst seit den Anfängen neben Untersuchungen aus den Bereichen der Wissenschaft oder der Theorie stets auch solche aus dem Feld der Kunst. 26 Positionen zu Stadt und Raum – für 26 Jahre dérive – zeigen einen Querschnitt aus diesen künstlerischen Auseinandersetzungen, die in den über 100 Ausgaben von dérive versammelt sind. Verteilt in ausgewählten selbstverwalteten Off-Spaces im 2., 5., und 6. Bezirk Wiens laden die Beiträge zu einem »dérive« durch die Stadt und eröffnen dabei Themen wie Geschichte und Erinnerung (SUPER, Bezirksmuseum Mariahilf), Landschaft und Stadt (FLUCC) alternative Geographien und die Erkundung städtischer Zusammenhänge (hoast und Sehsaal), der Sphären der Arbeit (Size Matters) oder Aktivismus und die Aneignung des öffentlichen Raumes (Sussudio und Ve.Sch).
In hoast sind die Arbeiten von Peter Bartoš, Jakob Kolding, Stephen Willats und Georg Winter zu sehen.
Peter Bartoš (geboren 1938 in Prag) ist ein unermüdlicher Chronist der Veränderungen, die die slowakische Hauptstadt Bratislava in den letzten Jahrzehnten erfahren hat. Er schreibt: »Ich erkenne, wie Architekten zu Erfüllungsgehilfen der Immobilenentwickler werden. Sie zerstören den Genius Loci der Stadt und ersetzen ihn durch ›beeindruckende‹ Gebäude. Die möchte aber wohl kaum ein Tourist sehen, der gekommen ist, um die mitteleuropäische Stadt Pressburg, Pozsony, Bratislava und ihre Burg zu sehen, in der einst Maria Theresia gekrönt worden ist. (…) Mein Interesse gilt dem Burgberg und seiner prähistorischen Geschichte, als erster Ausläufer der Karpaten und als bestimmendes Element der Silhouette der Stadt. Es macht mich sprachlos, dass die gegenwärtige Stadtverwaltung den gesamten Südhang des Burgbergs an Immobilienentwickler zur Bebauung verkauft hat, ohne den historischen Kontext oder den Charakter des Ortes zu berücksichtigen.« Bartoš beschränkt sich aber nicht darauf, die geschichtsvergessene, unternehmerische Stadt anzuprangern, er entwickeln mit dem Konzept für einen archäologischen Landschaftspark auch alternative Szenarien.
Georg Winter beschäftigt sich ebenfalls mit dem (touristischen) Blick auf die Stadt. In seiner Werkgruppe »UKIYO CAMERA SYSTEM« stellt er Kameras her, die keine physischen Bilder erzeugen. Mit Schultergurt versehen, und in mattem Schwarz gehalten, handelt es sich dabei um simple Holzobjekte, die die objektive Funktion von »Kamera« in Frage stellen, und stattdessen die Wahrnehmung von Räumen in den Fokus stellen. Die Kamera stellt dafür nur ein Hilfsmittel dar, wodurch die Beziehungen zwischen Mensch, Technik und Wahrnehmung sichtbar gemacht werden sollen. Die materielle Reproduktion von Bildmaterial ist nicht der primäre Zweck. Die beiliegende Bedienungsanleitung widmet sich detailliert den Gesten und Posen der Bildproduktion, und konzentriert das Interesse wieder auf den menschlichen Körper und den Bezug, den dieser zum Raum einnimmt. Winter schreibt: »Das Aufnahmeverfahren stellt an die Anwender hohe Anforderungen, führt aber zu erstaunlichen Bildhorizonten und Ergebnissen.«
Jakob Koldings kleine Collagen sind Teil einer fortlaufenden Serie, die die Bildwelten von Stadtplanung und Architektur der Moderne nach emanzipatorischen Momenten und utopischen Potentialen, aber auch nach Fantasien der Kontrolle und Restriktion durchkämmt. In seinem zur freien Entnahme aufliegenden Poster spricht er die Betrachtenden direkt an und fragt nach ihren Erfahrungen: »Gab es Versuche, in ihrer Nachbarschaft, durch Planung bestimmte soziale Verhaltensmuster zu fördern oder zu verhindern?«
Stephen Willats ist ein Pionier in der konzeptuellen Auseinandersetzung mit Gesellschaft und ihren Räumen. Seine Arbeit zeichnet eine Phase der gesellschaftlichen Entwicklung nach, in der Computersysteme erstmals als Informationsverarbeitende und generierende Medien verwendet wurden, die dementsprechend das kollektive und öffentliche Bewusstsein zu prägen begannen. Seit dem Beginn seiner Karriere in den 1960er Jahren wandte Willats Aspekte der Kybernetik und der Gesellschaftstheorie auf spezifische Kontexte an. Er entwickelte dabei eine neue visuelle Sprache, um die entstehenden Systeme des zeitgenössischen Lebens zu artikulieren und neu zu erfinden. Sein spezifisches Interesse galt und gilt dabei zeitlichen Abläufen und persönlichen Veränderungen, die er als Rückkopplungssysteme innerhalb eines sozialen Umfelds thematisiert und einer kritischen Reflexion zugänglich macht.
Sein 8mm Film »The Elusive Attractor« ist in Wien entstanden und folgt einer Autofahrt durch die fragmentierten Ränder der Stadt. Überblendet werden die Bilder mit Begriffen des Begehrens wie „captivated“, „hooked“, „embezzled“, denen technische Wendungen wie „copy“, „echo“ „projection“ oder „impersonate folgen“, bis sie bei „confused“ „submerged“ und „disillusioned“ enden – ein Katalog der Konstruktion von Emotionen.
Bild: Jakob Kolding, Untitled, 2001
